Unternehmerische Entscheidungen werden häufig danach beurteilt, ob sie sich rechnen. Auch für mich war lange die entscheidende Frage: Bringt es mehr Umsatz? Heute stelle ich eine andere Frage davor: Dient es mir? Denn der Wert einer Entscheidung zeigt sich nicht nur in Zahlen, sondern auch darin, was sie mit meiner Zeit, meiner Energie und meinem Leben macht.

Unternehmerische Entscheidungen prüfe ich nicht mehr nur danach, ob sie sich rechnen. Heute stelle ich zuerst eine andere Frage: Dient es mir?
Inhaltsverzeichnis
Dient es mir? Ein anderer Maßstab für unternehmerische Entscheidungen
- Was ist eine Investition eigentlich wert?
- Nicht alles, was einen Wert hat, erscheint in der BWA
- „Dient es mir?“ bedeutet nicht „Geld spielt keine Rolle“
- Was soll mein Unternehmen für mein Leben leisten?
- Die Frage verändert den Blick auf unternehmerische Entscheidungen
Wenn Unternehmer eine Investition prüfen, steht meist eine Frage ziemlich weit oben: Rechnet sich das?
Das ist nachvollziehbar. Schließlich haben unternehmerische Entscheidungen immer auch mit Geld zu tun. Wer einen Mitarbeiter einstellt, einen externen Dienstleister beauftragt oder in Marketing investiert, möchte wissen, was diese Investition bringt.
Auch ich habe solche Entscheidungen lange vor allem unter einem Gesichtspunkt betrachtet: Bringt es mehr Umsatz?
In den letzten Monaten ist mir bewusst geworden, dass mir diese Frage nicht mehr reicht. Nicht, weil Umsatz für mich unwichtig geworden wäre. Im Gegenteil. Ein Unternehmen muss wirtschaftlich funktionieren, sonst wird es auf Dauer nicht bestehen können.
Aber Umsatz ist eben nur ein Teil der Rechnung.
Heute stelle ich mir deshalb zuerst eine andere Frage:
Dient es mir?
Was ist eine Investition eigentlich wert?
Nehmen wir eine Aufgabe, die ich selbst erledigen könnte. Wenn ich sie an einen externen Dienstleister vergebe, entstehen Kosten. Mache ich sie selbst, spare ich dieses Geld.
Auf den ersten Blick scheint die Rechnung einfach zu sein.
Sie wird komplizierter, wenn ich meine eigene Zeit und Energie mit einbeziehe. Vielleicht kostet mich die Aufgabe jeden Monat einige Stunden. Vielleicht mache ich sie nicht besonders gerne. Vielleicht beherrsche ich sie zwar, aber jemand anderes kann sie besser. Oder mir fehlt durch diese Aufgabe die Zeit für etwas, das für mich wesentlich wichtiger ist.
Dann stellt sich irgendwann nicht mehr nur die Frage, ob ich etwas selbst machen kann.
Ich kann vieles selbst machen.
Aber muss ich deshalb alles selbst machen?
Gerade Unternehmer sind es gewohnt, sich Fähigkeiten anzueignen. Wenn etwas getan werden muss, lernen wir eben, wie es funktioniert. Das kann über viele Jahre eine große Stärke sein. Irgendwann kann genau diese Stärke aber auch dazu führen, dass wir Dinge weiterhin selbst erledigen, obwohl es dafür längst keinen guten Grund mehr gibt.
Nicht alles, was einen Wert hat, erscheint in der BWA
Wenn ich einen externen Partner beauftrage und dadurch unmittelbar zusätzliche Kunden gewinne, lässt sich der wirtschaftliche Nutzen relativ einfach berechnen.
Bei anderen Auswirkungen wird es schwieriger.
Welchen Wert hat es, wenn mir jemand fünf oder zehn Stunden im Monat zurückgibt? Was ist es wert, eine Tätigkeit nicht mehr machen zu müssen, die mir Energie nimmt? Wie bewerte ich neue Ideen, einen anderen Blick auf mein Unternehmen oder einen Impuls, auf den ich selbst vielleicht nicht gekommen wäre?
All das lässt sich nur schwer in Euro ausdrücken. Deshalb ist es aber nicht weniger wertvoll.
Wenn ich ausschließlich frage, ob eine Investition mehr Umsatz bringt, blende ich einen wesentlichen Faktor aus meiner unternehmerischen Entscheidung aus:
mich selbst.
„Dient es mir?“ bedeutet nicht „Geld spielt keine Rolle“
Man könnte die Frage „Dient es mir?“ missverstehen. Als würde es nur noch darum gehen, das zu tun, worauf man gerade Lust hat, und wirtschaftliche Realitäten auszublenden.
Darum geht es nicht.
Natürlich schaue ich weiterhin auf Zahlen. Wenn ich Geld ausgebe, interessiert mich, was ich dafür bekomme. Und wenn ich jemanden mit Kundengewinnung beauftrage, darf ich erwarten, dass daraus auch Kunden entstehen.
Der Unterschied liegt für mich an einer anderen Stelle.
Ich möchte Geld nicht mehr zum alleinigen Maßstab einer Entscheidung machen.
Ein externer Partner kann mir dienen, weil er Umsatz erzeugt. Er kann mir aber genauso dienen, weil er etwas übernimmt, was ich nicht gerne mache, weil er mir Freiraum schafft oder weil er Gedanken und Erfahrungen mitbringt, die in meinem Unternehmen bisher fehlen.
Im besten Fall kommt sogar einiges davon zusammen.
Was soll mein Unternehmen für mein Leben leisten?
Viele Unternehmer beschäftigen sich intensiv mit der Frage, was sie für ihr Unternehmen tun müssen. Sie entwickeln Angebote, kümmern sich um Kunden, lösen Probleme, organisieren Abläufe und sorgen dafür, dass am Ende des Monats genügend Geld verdient wurde.
Die umgekehrte Frage stellen wir uns wesentlich seltener:
Was soll eigentlich mein Unternehmen für mich tun?
Für mich wird diese Frage zunehmend wichtiger.
Natürlich möchte ich mit meinem Unternehmen Geld verdienen. Aber ich möchte ebenso Zeit für die Dinge haben, die ich gerne tue. Ich möchte mit Menschen zusammenarbeiten, die mich inspirieren. Ich möchte nicht jede Aufgabe selbst übernehmen, nur weil ich dazu in der Lage bin. Und ich möchte offen dafür bleiben, dass andere Menschen Dinge besser können oder anders sehen als ich.
Wenn mein Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich ist, mir aber immer weniger Raum für mein eigenes Leben lässt, stimmt für mich irgendwann die Rechnung nicht mehr.
Die Frage verändert den Blick auf unternehmerische Entscheidungen
Vielleicht ist „Dient es mir?“ deshalb gar keine besonders revolutionäre Frage.
Aber sie verändert die Perspektive.
Bei einer Investition frage ich nicht mehr ausschließlich, wie viel zusätzlicher Umsatz dadurch entstehen könnte. Bei einer Aufgabe frage ich nicht mehr automatisch, ob ich sie selbst erledigen kann. Und bei einem externen Partner interessiert mich nicht nur, was seine Leistung kostet.
Ich beziehe mich selbst in die Entscheidungen ein.
Manchmal wird die Antwort trotzdem lauten: Nein, das ist es mir nicht wert.
Manchmal wird sie lauten: Ja, weil es sich wirtschaftlich rechnet.
Und manchmal vielleicht einfach: Ja, weil ich meine Zeit künftig lieber mit etwas anderem verbringen möchte.
Auch das darf ein guter Grund sein.
Die Frage „Dient es mir?“ setzt allerdings etwas voraus: Ich muss eine Vorstellung davon haben, wer dieses „mir“ eigentlich ist. Je klarer ich mir selbst darüber bin, was mir wichtig ist und wie ich leben möchte, desto leichter kann ich erkennen, ob unternehmerische Entscheidungen tatsächlich dem Leben dienen.
Denn am Ende möchte ich nicht mein Leben danach ausrichten, was mein Unternehmen von mir verlangt. Ich möchte mein Unternehmen so gestalten, dass es meinem Leben dient.
Weiterführende Gedanken:
- Selbstreflexion für Unternehmer: Das Fundament Ihrer Führung
- Nicht-Entscheiden ist die teuerste Entscheidung im Unternehmen
Einordnung:

