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Hallo reader reader,

nach einer längeren Pause ist er wieder da: mein Newsletter und ab jetzt immer am letzten Sonntagabend im Monat.

Und vielleicht passt es ganz gut, dass ich nicht mit einem „neuen Konzept“ zurückkomme. Kein Relaunch, kein Funnel, kein „Jetzt noch klarer, fokussierter, wirksamer werden“.

Im Gegenteil.

Mich beschäftigt gerade eher die Frage, ob wir es mit unserer ständigen Suche nach Klarheit, Haltung, Orientierung, Wirkung und Purpose nicht langsam ein wenig übertreiben.

Überall wird uns erklärt, wofür wir stehen sollen, was unser Warum ist, was unser Wofür ist, welche Werte uns leiten, welche Haltung wir zeigen, welche Wirkung wir entfalten, wie wir uns positionieren und wie wir uns entwickeln.

Und irgendwann frage ich mich:

Wann leben wir eigentlich noch?

Das Leben als Dauerprojekt

Wir haben aus dem Leben ein Optimierungsprojekt gemacht. Wir reflektieren und entwickeln uns, arbeiten an uns, suchen unseren Purpose und wollen möglichst noch die beste Version unserer selbst werden.

Dabei klingt das alles zunächst vernünftig. Wer wollte etwas gegen Klarheit sagen? Gegen Orientierung? Gegen Sinn?

Natürlich nicht.

Aber vielleicht liegt genau darin das Problem.

Wenn Begriffe so richtig klingen, dass niemand mehr widersprechen kann, bemerken wir irgendwann nicht mehr, wie viel Druck sie erzeugen.

Denn plötzlich reicht es nicht mehr, einfach zu leben. Man soll auch noch wissen, warum man lebt. Man soll wissen, wofür man arbeitet, eine Haltung haben, einen inneren Kompass, eine Vision, eine Mission – und das Ganze möglichst so formulieren, dass es sich auch noch gut auf LinkedIn posten lässt.

Und wenn der Sinn des Lebens viel einfacher ist?

Vielleicht ist der Sinn des Lebens gar nicht, einen Purpose zu finden.

Der Sinn des Lebens ist schlicht: glücklich zu sein.

Nicht permanent glücklich. Nicht rosarot. Nicht frei von Schmerz, Verlust, Zweifel oder Angst. Aber so zu leben, dass sich das eigene Leben noch nach Leben anfühlt.

Mit Menschen, die man mag. Mit Arbeit, die einen nicht innerlich auffrisst. Mit Zeit für Dinge, die keinen Nutzen haben. Mit Momenten, die sich nicht messen lassen. Mit einem Lachen, das nichts bewirken muss. Mit einem Nachmittag, an dem nichts entsteht. Mit Entscheidungen, die nicht perfekt sind, sich aber richtig anfühlen.

Vielleicht brauchen wir weniger Antworten

Vielleicht müssen wir nicht ständig wissen, wo es hingeht.

Vielleicht reicht es manchmal, zu merken: Das hier tut mir gut. Das hier nicht. Da möchte ich hin. Da nicht mehr.

Vielleicht ist Klarheit manchmal nicht das Ergebnis eines langen Prozesses. Vielleicht ist sie schon da, bevor wir anfangen, sie wegzudenken.

Und vielleicht liegt ein Teil unseres heutigen Wahnsinns genau darin, dass wir einfachen Wahrnehmungen nicht mehr trauen.

Wir brauchen Modelle, Methoden, Tests, Frameworks und Beweise. Dabei wissen wir erstaunlich oft ziemlich früh, was für uns stimmt und was nicht.

Drei Fragen, diesmal ohne Methode

  • Was in Ihrem Leben macht Sie wirklich glücklich – ganz ohne Nutzen?
  • Was tun Sie nur noch, weil Sie glauben, es tun zu müssen?
  • Und wo wissen Sie eigentlich längst, was Sie wollen, reden sich aber immer noch etwas anderes ein?
Sie müssen daraus nichts machen. Keine Liste. Keinen Maßnahmenplan. Keinen Purpose.

Vielleicht reicht es, die Antwort wahrzunehmen.

Zum Schluss

Vielleicht besteht ein gutes Leben nicht darin, immer mehr über sich herauszufinden.

Vielleicht besteht es manchmal darin, sich selbst endlich weniger im Weg zu stehen.
Weniger optimieren. Weniger erklären. Weniger rechtfertigen.

Mehr leben.

Und vielleicht ist das schon genug.

Herzliche Grüße

https://ulrichkern.de
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